Stachelige Herausforderungen: Der Kampf gegen die invasive Cochenilleschildlaus auf Zypern
Einführung des Schädlings und seine Ausbreitung
In Zypern verändert sich das Landschaftsbild oft langsam und kaum merklich. Ein Beispiel dafür ist die Ausbreitung der Cochenilleschildlaus Dactylopius opuntiae, die seit 2016 auf den Feigenkakteen der Gattung Opuntia entdeckt wurde. Seitdem hat sich der Befall von der Region Famagusta auch auf die Bezirke Larnaca, Nicosia und Limassol ausgeweitet und verursacht erheblichen Schaden an diesen Pflanzen.
Natürliche Voraussetzungen und Herausforderungen
Laut dem leitenden Agrarbeamten Lyssandros Lyssandrides bietet das Klima Zyperns optimale Bedingungen für das Überleben und die Vermehrung der Cochenilleschildlaus. Zudem tragen unbetreute, weit verbreitete Feigenkakteen in der Landschaft dazu bei, dass sich der Schädling entlang einzelner Pflanzen und kleiner Gruppen von einem Ort zum nächsten ausbreiten kann.
Die Cochenilleschildlaus besitzt natürliche Abwehrmechanismen wie eine wachsartige, baumwollähnliche Schicht, die die Wirksamkeit von Insektiziden verringert. Außerdem sondert sie eine rote toxische Substanz aus, die den Nutzen vieler natürlicher Feinde einschränkt. Zusätzlich sind viele hochtoxische Insektizide in der EU vom Markt verschwunden, wodurch Einschränkungen bei Bekämpfungsmitteln bestehen.
Strategien zur Eindämmung
Die Landwirtschaftsbehörde verfolgt deshalb eine Strategie, die auf eine langsame Ausbreitung des Schädlings abzielt, anstatt auf vollständige Ausrottung. Hierbei soll Zeit gewonnen werden, damit ein ökologisches Gleichgewicht zwischen Schädling und natürlichen Feinden entstehen oder neue Kontrollmethoden entwickelt werden können.
Empfohlen wird, Pflanzenteile und Früchte aus befallenen Regionen nicht zu verlagern, Pflanzen regelmäßig zu beschneiden und befallene Pflanzenteile zu entfernen und zu entsorgen. Auch intensive Wasserstrahlbehandlungen, gegebenenfalls in Kombination mit Seife oder Alkohol, sollen helfen, den Schutzfilm der Insekten zu entfernen und den Befall zu verringern.
Forschung zu langfristigen Lösungen
Gleichzeitig laufen Untersuchungen zu feigenkakteentoleranten Opuntia-Sorten aus Zypern. Zudem wird die Möglichkeit geprüft, den räuberischen Käfer Hyperaspis trifurcata, ein natürlicher Feind der Cochenilleschildlaus, an Brennpunkten des Befalls einzusetzen.
Ökologische Zusammenhänge
Sowohl der Feigenkaktus als auch die Cochenilleschildlaus sind ursprünglich nicht auf Zypern heimisch, sondern stammen aus Amerika. Der Feigenkaktus wurde im 19. Jahrhundert auf die Insel eingeführt und ist mittlerweile fester Bestandteil der Landschaft geworden. Die Frucht gilt als beliebte saisonale Nahrung mit nährstoffreichen Eigenschaften.
Es entsteht somit ein paradoxes ökologisches Bild: Ein eingeführter Schädling bedroht eine ebenfalls eingeführte Pflanze, die sich inzwischen fest im zypriotischen Landschaftsbild etabliert hat.
Offener Ausgang der Bekämpfung
Obwohl die Bekämpfungsmaßnahmen seit fast zehn Jahren laufen, fehlen aktuelle Daten zur Verbreitung des Schädlings. Somit bleibt unklar, ob die Anstrengungen zur Verlangsamung der Ausbreitung erfolgreich sind oder lediglich den Fortschritt verzögern. Die Landwirtschaftsbehörde hat bisher keine Informationen veröffentlicht, die eine Einschätzung über den bisherigen Erfolg erlauben.